Ausbildung und Studium jetzt absetzbar

Quelle: ZEIT ONLINE

Nach einem Urteil des Bundesfinanzhofs können Ausbildungskosten leichter steuerlich geltend gemacht werden. Das kann den Staat Milliarden kosten.

Der Bundesfinanzhof (BFH) hat entschieden, dass die Kosten für die berufliche Erstausbildung und das Erststudium nach Schulabschluss in voller Höhe steuerlich geltend gemacht werden können. Der BFH widersprach mit zwei neuen Urteilen der bisherigen Praxis der Finanzämter, wonach die Aufwendungen für Erstausbildung oder Erststudium generell nicht mit späteren Steuerzahlungen verrechnet werden können. Ein allgemeines Abzugsverbot könne nicht aus dem Einkommenssteuergesetz abgeleitet werden, so der BFH.

In beiden Fällen seien die Kosten der Ausbildung konkret für die spätere Berufstätigkeit veranlasst. Sie müssen also als vorweggenommene Werbungskosten berücksichtigt werden, urteilte der Finanzhof.

In einem Fall hatte ein angehender Pilot geklagt und in seiner Einkommenssteuererklärung 2004 Kosten von fast 28.000 Euro geltend gemacht. Der Mann berief sich darauf, dass diese Ausbildungskosten vorweggenommene Werbungskosten für seine künftige Tätigkeit als Pilot seien. Im zweiten Fall hatte eine Medizinstudentin geklagt. Die Finanzämter und später auch die Gerichte folgten der Logik der Kläger zunächst aber nicht, weil die Kosten nicht im Rahmen eines Dienstverhältnisses zustande kamen.

Nach dem Urteil können Auszubildende und Studierende nun ihre Kosten für die Miete am Studien- oder Ausbildungsort, Uni-Gebühren, Computer und Bücher schon während ihrer Ausbildung geltend machen. Mit der ersten Einkommenssteuererklärung nach der Ausbildung würden die Kosten dann als Verlustvortrag anerkannt. „Azubis und Studenten, die bisher gewohnt waren, keine Steuererklärung zu erstellen, sollten nun unbedingt eine Erklärung beim Finanzamt einreichen“, sagt Steuerberater Klaus Zimmermann von der Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft DHPG in Bornheim.

Voraussetzung hierfür ist jedoch, dass alle Kostenbelege aufbewahrt und die Aufwendungen bereits in den Jahren der Ausbildung im Rahmen der Steuererklärung als Werbungskosten deklariert werden. Die Ausbildungskosten können schnell einen fünfstelligen Betrag erreichen. Dem Staat drohen damit Steuerausfälle in Milliardenhöhe.

Ob die Steuererleichterungen tatsächlich wirksam werden, ist derzeit unklar. Das Finanzministerium kann einen sogenannten Nichtanwendungserlass ausstellen. Dieser würde die Finanzämter dazu verpflichten, die Anweisung des Bundesfinanzhofs zunächst nicht zu befolgen.

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